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2002-067-
Slagbaum oder Wortexport nach Osten
von Oschlies, Wolf

Deutschlandfunk 2002 [45'/20MB]Bewertung

Feature (Interview, Geschichte, Wissenschaft)
-> Einzeltitel [keine Serie] 

Regie: Zenke, Thomas
Bearbeitung:
Übersetzung aus dem: -> unzutreffend oder unbekannt
Sprecher: Kerstin Fischer, Phillipp Scheppmann, Wolf Oschlies

In Russland, wo Ortschaften "Kronstat" und "Oranienbaum" hießen (oder wieder heißen), kann man an Wegweisern ablesen, dass die deutsche Sprache im Russischen eine gewisse Rolle spielt. Und nicht wenige Deutsche kennen Wörter, die vor Jahrhunderten in die russische Sprache kamen und sich dort unbeirrbar halten - wie "bjurgermistr", "buterbrod", "Slagbaum". Weniger bekannt ist, dass andere osteuropäische Sprachen eher noch mehr "germanisiert" sind: Der polnische "handel", der tschechische "pendler", der rumänische "rucsac", der serbische "rajsferslus" als Beispiele. Aktuelle Entwicklungen führen dazu, dass neue Wörter entliehen werden, z.B. der russische "Standort" oder Vaclav Havels Warnungen vor "Ossi-Wessi"-Unterscheidungen. Oder dass altes Wortgut revitalisiert wird: Wenn Vertriebene nach Polen zurückkommen, spötteln Warschauer Blätter über einen deutschen "drang nach osten". Dass auf dem Balkan seit Jahren ein "blickrig" (Blitzkrieg) dem anderen folgt, versteht sich für dortige Kommentatoren von selbst. Wir wissen nicht genau, wie und wann dieser Wortexport vor über tausend Jahren begonnen hat. Wir können aber sicher sein, dass es bei ihm auch in Zukunft keinen "fajront" (Feierabend) geben wird.

Anmerkung: Wer über Anglizismen in der deutschen Sprache meckert, kann sich hier mal ein wenig abkühlen.

Personen (wahr):
Personen (fiktiv):
Geographischer Bezug: Europa