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2001-301-
Die Päpstin
von Cross, Donna Woolfolk

Mitteldeutscher Rundfunk 2000 [150'/137MB]

Hörspiel (Biographie, Geschichte)
-> Einzeltitel [keine Serie] 

Regie: Niklaus, Walter
Bearbeitung: Friedrich Bestenreiner (Bearbeitung), Steffen Schleiermacher (Musik), Wolfgang Neuhaus (Übersetzung)
Übersetzung aus dem: Englischen [USA]
Sprecher: Johanna Anglicus (Angelica Domröse), Ludovic (Benjamin Fischer), Johanna als Kind (Dorothea Sell), Junge Johanna (Gunda Aurich), Alte Frau (Ursula Sukup), Kammerherr (Royk Gaida), Dorfpriester (Thomas Holtzmann), Gerold (Hilmar Thate), Frater 1 (Siegried Worch), Frater 2 (Matthias Hummitzsch), Fulgentius (Bert Franzke), Judith (Conny Wolter), Richild (Corinna Kirchhoff), Benjamin (Günter Grabbert), Abt Rabanus (Ernst Jacobi), Madalgis (Elke Domhardt), Papst Sergius (Franz Josef Steffens), Arn als Kind (Fabian Jung), Arn (Kai Scheve), Benedict (Vadim Glowna), Marioza (Angelika Waller), Eustathius (Harald Halgardt), Arighis (Walter Renneisen), Florus (Friedhelm Eberle), Arsenius (Hellmut Lange), Ennodius (Peter Groeger), Anastasius (Peter Fricke), Kardinal (Siegfried Voß), Papst Leo (Gunter Schoß), Mannertus (Hans- Joachim Hegewald), Eminenz (Jürgen Thormann), Bote (Thomas Just), Monsignore (Horst Hiemer), Siconulf (Detlef Heintze), Hrotrud (Marlies Reusche), Kaiser Lothar (Hans-Jörn Weber), Gudrun (Monika Pietsch), Paschal (Friedrich Schönfelder), Matthias (Hans Engert), Daniel (Wolfgang Sörgel), Aesculapius (Horst Schönemann), Paul (Wolfgang Jakob), Gesandter (Ulrich Voß), Dominik (Max Urlacher), Odo (Friedrich-Wilhelm Junge), Waldipert (Wolfgang Winkler), Exorzist (Gert Gütschow), Götz Schweighöfer, Walter Jäckel, Dieter Jaßlauk, Till Schmidt, Peter Hörtrich, Klaus Andter, Axel Gärtner, Steffen Moratz, Rainer Koschorz, Corinna Waidbauer, Walpurgis Brückner-Curth, Katrin Fischer, Benjamin Biermann, Janis Röhlig, Benedikt Tintemann, Karl Rieper, Jeremias Koschorz, Detlef Vitzthum, Holdine Wolter, Uwe Steinbach

Chor: (Werner Harke (Baß), Kai Wefer (Baß), Christian Fischer (Bariton), Marcus Döring (Bariton), Wolfram Lattke (Tenor), Matthias Schubotz (Tenor), Friederike Stübner (Sopran)

Ensemble "Avantgarde": (Stefan Stopora (Schlagwerk), Undine Röhmer-Stolle (Oboe), Roderik McDonald (Trompete), Steffen Schleiermacher (Orgel)

Ensemble "loculatores": Robert Weinkauf (Percussion), Sebastian Pank (Schalmei), Susanne Ansorg (Fidel), Velt Heller (Trumscheit/Portativ), Kay Krause (Laute)

Rom, vor mehr als tausend Jahren, genau in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Die Bevölkerung der italienischen Metropole und die Oberhäupter der Christenheit haben einen neuen Papst gewählt. Doch während sich die Tiara auf ihn niedersenkt, jagen sich die Gedanken in seinem Kopf, Denn dieser Johannes Anglicus, vielbewunderter Arzt im Dienste Papst Sergius II, und Nomenclator im Dienste Papst Leo IV, ist in Wahrheit - eine Frau. - Geboren als Tochter eines engherzigen und dogmatischen Dorfpriesters 814 in Ingelheim, stehen der wissbegierigen Johanna fast keine Bildungsmöglichkeiten offen. Nur dank seiner Entschlossenheit gelingt es dem hochbegabten Mädchen, an der bischöflichen Schola in Dorstadt Aufnahme zu finden. Auf Unterstützung durch ihre Mitschüler kann sie als Ausnahme-Wesen nicht hoffen, doch Bischof Fulgentlus und vor allem Gerold, Markgraf von Villaris, kommen nicht umhin, ihre stupende Intelligenz zu fördern, Nicht lange allerdings, und Johanna sieht mehr in Gerold als einen wohlmeinenden Lehrmeister in geistigen und weltlichen Künsten, Doch bevor etwas daraus werden könnte, hat Richild, Gerolds Ehefrau, schon gehandelt: Bischof Fulgentlus allzu sinnenfroher Lebenswandel macht ihn auch erpressbar. Johanna soll mit einem Hufschmied verheiratet werden und ein für alle Mal die Schule verlassen.

War es Zufall, eigenmächtige Anmaßung oder war es Gott selber, der in ihr Leben eingegriffen und die Weichen neu gestellt hat - das ist die Frage, die Johanna nicht loslässt, während sie - eine Frau, die sich als Mann ausgibt - vor den Augen der Weit zum Papst gekrönt wird, Denn gerade während der Hochzeitszeremonie, die damals in Dorstadt ihr Schicksal besiegeln soll, brechen marodierende Normannenhorden in die Kirche ein und metzeln nieder und vergewaltigen, wessen sie habhaft werden können. Wie durch ein Wunder bleibt Johanna verschont, versteckt im Inneren des Altaraufsatzes, An diesem Tag schneidet sie sich die Haare ab und geht als Benediktiner-Mönch Bruder Johannes Anglicus ins Kloster zu Fulda. - Dort, im Bildungsmittelpunkt des mittelalterlichen Europa unter dem berühmten Abt Hrabanus Maurus, macht sie sich mit dem medizinischen Wissen ihrer Epoche vertraut, ja sie gewinnt durch die einzigartige Bibliothek und dank ihrer reichen Sprachkenntnisse sogar Einblick in die lange vergessenen Schriften griechischer Ärzte, vor allem des Hippokrates, Nicht selten erzielt sie mit ihrer unorthodoxen Sicht überraschende Heilerfolge, Doch als sie während einer Festepidemie die Gläubigen zum Abendmahl nicht mehr alle aus einem Kelch trinken lässt, droht ihr nicht bloß Strafarbeit im Kloster, sondern sogar die Geißelung - und mit der Entblößung ihre Entdeckung als Frau.

Hatte Johanna, die sich als Mönch Johannes Anglicus ausgibt, damals im Kloster Fulda eine andere Wahl als die, ihr Heil in der Flucht zu suchen? Oder war auch diese Flucht Teil des ihr vorbestimmten Weges? Selbst auf dem Stuhl Petri verstummt nicht die Stimme des Gewissens. Und die Erinnerung spricht von der Fahrt allein im Kahn auf dem reißenden Strom, vom Kentern, von der Errettung durch Am, dem inzw1schen erwachsenen Sohn jener Macalgis, die sie einst vor der Verstoßung der Aussätzigen bewahrt hatte. Von der langen Reise in die Heilige Stadt, von ihrer - mit Missgunst verfolgten - Karriere als Arzt unter dem Patronat der schönen Mariozo, der Geliebten Benedicts, des mächtigen Bruders des von seinen Begierden und Schmerzen geplagten Papstes Sergius. Und davon, wie sie im Leiden des Heiligen Vaters die Gicht erkannte, wie ihre Medizin anschlug, wie er - seinen Bruder und manchen Kirchenfürsten in ihren Geschäften störend - seine alten Kräfte wiedergewann und sie zum päpstlichen Leibarzt ernannte. Und an Monna Mariozas Verführungsversuch muss sie denken, der dem Mann galt ' den sie bloß vorspiegelte, und an die Überrumplung durch Benedict, ihren Feind. An die nassen Mauern des Kerkers und die Nähe des Todes, und an die überraschende Nachricht, Kaiser Lothar ziehe mit einem riesigen fränkischen Heer auf Roms sieben Hügel zu.

Während Benedict mit Hilfe von elf Truhen Gold Kaiser Lothar Rom gewogen machen soll, wirft die Krankheit Papst Sergius erneut nieder. Erst als man Johanna aus dem Gefängnis holt, bessert sich sein Zustand soweit, dass er Kaiser Lothar mit päpstlicher Autorität und diplomatischem Geschick empfangen kann. Indes, mit dem Kaiser kommt, als einer seiner Heerführer, auch der Mann, der Johanna einst mehr als jeder andere bedeutete~ Gerold, Markgraf von Villaris, Seltsames Wiedersehen! Gerold ist bereit, alles hinzuwerfen und mit Johanna zu fliehen - doch sie weist ihn zurück, Der Papst braucht sie: als Arzt, als Beichtvater, als Berater. Denn nun sind es die Sarazenen, die Kurs auf Rom genommen haben. Zu spät trifft Gerold mit seinen Truppen ein, der Petersdom ist bereits verwüstet. Papst Sergius stirbt. Bei der Wahl des neuen Papstes unterstützt Johanna Kardinal Leo und schafft sich damit in Kardinal Anastasius ihren gefährlichsten Gegenspieler. Zwar wird sie als Nomenclator Leos IV einer der höchsten Beamten des Vatikans, doch der Statthalter Christ! verausgabt seine Kräfte beim Bau einer neuen Stadtmauer, die bald einer Brandstiftung zum Opfer fällt Anastasius, der hinter dem Anschlag steckt, wird daraufhin exkommuniziert, doch hindert ihn das nicht, mit allen Mitteln um den Heiligen Stuhl zu kämpfen. Als Leo vergiftet wird, sieht Gerold Johanna in tödlicher Gefahr und drängt zur Flucht.

Doch wie schon so oft, ihre Bestimmung entscheidet anders. Johanna aus Ingelheim, verwandelt in den päpstlichen Nomenclator Johannes Anglicus, wird zum Patriarchen der Christenheit gewählt. Und sie ist entschlossen, ihr Amt zu nutzen: Um den Marcianischen Aquädukt wieder aufbauen zu lassen zum Beispiel, damit in den Armenvierteln der Stadt den Epidemien Einhalt geboten wird, Oder um eine Schule für Frauen einzurichten - was den Klerus endgültig gegen sie aufbringt. Als das Hochwasser ein ganzes Stadtviertel zu überfluten droht, lässt sie sich nicht davon abhalten - auch nicht von Gerold, dem Befehlshaber der päpstliche Garde -, selbst mit in die Rettungsboote zu steigen. Eine gewaltige Flutwelle reißt alles in den Untergang. Mit knapper Not kann sie Gerod in ein verlassenes Gebäude retten. Abgeschnitten von der Außenwelt, sind sie sich so nah wie niemals zuvor, Doch gerade deshalb will Gerold Rom endgültig verlassen, Und Johanna? Sie weiß, dass sie schwanger ist. Da kehrt Anastasius, der sich die Unterstützung des Kaisers gesichert hat, nach Rom zurück und stellt Gerold unter Anklage des Hochverrats. Ein letztes Mal soll in diesem Prozess Johannas überlegener Verstand triumphieren. Denn Gerold kommt nur frei, um einem Meuchelmörder zum Opfer zu fallen. Und während der Fehlgeburt, die sie erleidet, stirbt sie selbst, die erste und einzige Päpstin Johanna.

Anmerkung: Wunderbar einfühlsam und überzeugend produziert.

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Personen (fiktiv):
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